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Der zweite (große) Burghof |
Dieser Hof ist baulich der jüngste Teil der Burg. Er entstand als Bestandteit des gewaltigen Befestigungssystems an der Wende des 15. zum 16. Jahrhundert im
Rahmen der Umbauten durch Púta II. Švihovský. Das Burgareal wurde erweitert und erneut gründlich befestigt mit einer gewaltigen Burgmauer mit einem System vorgelagerter Wehrbasteien. Der Zugang zum Haupttor wird dariiber hinaus noch durch einen sog. Burgvorbau geschützt - ein System zweier kleinerer Tore. Das zweite Burgtor war verbunden mit der Behausung des Pförtners (die jetzige Kasse), das drítte Tor dient heute als Eingang. Dieses Tor war durch ein metallbeschlagenes Holzgitter, einen sog. "Kamm" geschützt.
An demTor steht ein Grenzstein. Er wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts von einem
unbekannten Volkskünstler aus Granit ausgehauen. Die drei Reliefs stellen drei Gestalten der Hussitenzeit dar: den Prediger Jan Hus, den hussitischen Heerfiihrer Jan Žižka (von der Seite am Felsen) und einen unbekannten Soldaten in Hussitenrüstung (Seite vom Tor). Dieser Stein stand
an der Grenze der Herrschaft.
ln der Burgniauer des zweiten Hofes sind die regetmäl3igen runden Öffnungen des Behelfsgerüstes gut sichtbar. Der Bau des Mauerabsclmitts verlief immer nur bis in Manneshöhe, in die letzte gebaute Reihe vwrden Balken eingemauert als Basis für das weitere Geschoß dieses Gerüstes. Die nícht mehr benötigten Balken wurden dann abgeschnítten und der vermauerte Rest wurde mit Putz bedeckt (alle Bauten itn Mittelalter waren verputzt).
Das Gebäude mitten im Hof ist der ehemalige Burgpfcrdestall. Er entstand bei der erwähnten Erweiterung des Burgareals im Raum des älteren Burggraben. Das Gewölbe läßt sich also in das Ende des 15. Jahrhunderts datieren. Im Innern des Pferdestalls wurde ein Rest der
ursprünglichen Rollsteinpflasterung gefunden.Jetzt ist dieser Raum hergerichtet fiir die Veranstaltung von Ausstellungen und Konzerten und dient auch als Trauungssaal.Neben dem Pferdestall gibt es eine Zisterne zum Auffangen des Regenwassers. In der Vergnngenheit hatte diese Wassergrube eine Tiefe von 3 - 4 Metern.
Die Gebäude hínter dern Pferdestall werden Alte Gemácher genannt. Díeser Teíl der Burg wurde in der zweiten Bauetappe errichtet, also am Ende des 14. Jahrhunderts. An der Ecke des Prismenturmes ist ein hervortretender Bogen sichtbar. Es handelt sich um den Rest des vierten Burgtors, das den Eingang in das Burgareal noch vor dem letzten Umbau und der Erweiterung abschloß. Dieses Tor wurde "Žižkator" genannt, denn wahrscheinlich gerade vor diesem Tor verlor Jan Žižka sein zweites Auge bei der Belagerung der Burg. Das Tor wurde im 18. Jahrhundert abgerissen, als es durch unvorsichtiges Herausbrechen von Steinen zur Beschädigung seiner Statik kam und es einstürzte. Am anderen Ende der "Alten Gemächer" wwde der Eingang in den oberen Burghof durch das
fünfte Tor geschützt.